Opferrechte – nach Mitgliedstaat

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2 - Meine Rechte im Hauptverfahren

Wie kann ich mich am Hauptverfahren beteiligen?

Welche Rechte habe ich als Zeuge/Zeugin?

Ich bin minderjährig. Verfüge ich über zusätzliche Rechte?

Erhalte ich rechtlichen Beistand?

Wie erhalte ich Schutz, wenn ich in Gefahr bin?

Wie mache ich Schadenersatz von der/dem Beschuldigten geltend und wie erhalte ich staatliche Entschädigung?

Gibt es Möglichkeiten einen Vergleich/eine Abmachung mit der/dem  Beschuldigten zu treffen, oder einen Tatausgleich durchzuführen?

Ich bin Ausländerin/Ausländer. Wie werden meine Rechte und Interessen geschützt?

Mehr Information

Wie kann ich mich am Hauptverfahren beteiligen?

Sie können am Hauptverfahren und in der Hauptverhandlung als Opfer ohne spezielle Rechtsstellung teilnehmen, als Privatbeteiligte/Privatbeteiligter (1), als Subsidiaranklägerin/Subsidiarankläger (2) oder als Privatanklägerin/Privatankläger (3).

Wenn Sie Privatbeteiligte/Privatbeteiligter, Subsidiaranklägerin/Subsidiarankläger oder Privatanklägerin/Privatankläger sind, werden Sie über die fixierten Termine der mündlichen Verhandlung rechtzeitig verständigt. Andernfalls werden Sie lediglich zu Gericht geladen, um als Zeugin/Zeuge auszusagen. Nur innerhalb der Rolle als Zeugin/Zeuge ist ein Opfer verpflichtet, einer Ladung zur Vernehmung nachzukommen.

Wenn Sie Prozessbegleitung (4) in Anspruch nehmen, wird die Organisation, die diese Leistungen erbringt, über die Verhandlungstermine informiert.

Wenn Sie während des Ermittlungsverfahrens kontradiktorisch vernommen wurden (Die Kontradiktorische Vernehmung (5)), werden Sie vom Hauptverhandlungstermin nur auf Ihr Verlangen verständigt.

Alle übrigen Informationen können Sie nur durch Einsicht in die Akten erhalten. Sie müssen nicht Privatbeteiligte/Privatbeteiligter sein, um Akteneinsicht nehmen zu können. Es ist möglich, vom Inhalt der Akten gegen eine Gebühr Kopien herzustellen.

Unabhängig davon, ob die Verhandlung öffentlich ist oder nicht, haben Sie das Recht, anwesend zu sein und sich durch eine Vertrauensperson - eine Rechtsanwältin/einem Rechtsanwalt, einem Mitglied einer Opferhilfeeinrichtung oder einer anderen  Person - begleiten zu lassen. Sie haben das Recht, Fragen an die Angeklagte/den Angeklagten oder an andere ZeugInnen und Sachverständige zu stellen sowie zu ihren Schadenersatzansprüchen gehört zu werden.

Wenn Sie Privatbeteiligte/Privatbeteiligter sind, können Sie es vorziehen, nicht bei den Verhandlungen anwesend zu sein. Wenn Sie allerdings Privatanklägerin/Privatankläger sind und nicht zur Verhandlung erscheinen, wird unwiderlegbar vermutet, dass Sie kein Interesse an einer Verurteilung mehr haben und das Gericht hat das Verfahren einzustellen.

In denjenigen Fällen, in denen Sie sich dem Verfahren als Privatbeteiligte/Privatbeteiligter angeschlossen haben und die Staatsanwältin/der Staatsanwalt vom Verfahren nach Anklageerhebung zurücktritt, können Sie die Strafverfolgung als Subsidiaranklägerin/Subsidiarankläger fortsetzen.

Wenn das Gericht das Verfahren einstellt, haben Sie als Privatbeteiligte/Privatbeteiligter das Recht, dagegen eine Beschwerde zu erheben. Die Beschwerde richtet sich an das Rechtsmittelgericht und muss innerhalb von 14 Tagen eingebracht werden.

Das Gericht darf die Öffentlichkeit einer Verhandlung von Amts wegen oder auf Antrag - vor Erörterung Ihres persönlichen Lebens- oder Geheimnisbereiches oder zum sonstigen Schutz Ihrer Identität - ausschließen.

Während der Vernehmung einer Person mit einer geistigen Behinderung oder psychischen Krankheit muss eine Vertrauensperson anwesend sein. Die Richterin/der Richter kann die Beschuldigte/den Beschuldigten dazu auffordern, während Ihrer Aussage den Gerichtssaal zu verlassen.

Wenn Sie kein Deutsch sprechen (oder keine der Amtssprachen) haben Sie das Recht auf kostenlose Dolmetschleistungen. Dolmetschleistungen werden Ihnen während der Vernehmung oder Verhandlung gewährt

Prozessbegleitung für Personen, die nicht Deutsch sprechen, beinhaltet Übersetzungshilfe, die vom Bundesministerium für Justiz finanziert wird.

Reisekosten für die Hin- und Rückfahrt zum/vom Gericht oder zum/vom Ort der Vernehmung, werden erstattet, sowie Entschädigung für Zeitversäumnis geleistet, wenn dadurch ein Vermögensschaden entstanden ist. Wenn Sie als Zeugin/Zeuge an einem Ort übernachten und Frühstück, Mittag- oder Abendessen an diesem Ort einnehmen müssen, werden diese Aufenthaltskosten bis zu einem bestimmten Betrag ersetzt. Sie müssen Ihren Anspruch auf die Gebühr binnen 14 Tagen geltend machen.

Welche Rechte habe ich als Zeuge/Zeugin?

Wenn Sie Zeugin/Zeuge in einem Verfahren sind, haben Sie persönlich vor Gericht auszusagen. In Abwesenheit der/des Beschuldigten können Sie aussagen, wenn:

  • Sie Opfer einer vorsätzlich begangenen Straftat mit Gewalt oder gefährlicher Drohung waren oder
  • Sie in Ihrer sexuellen Integrität beeinträchtigt wurden.

Sie können in einem abgetrennten Raum in Anwesenheit der Richterin/des Richters und einer Vertrauensperson aussagen. Ihre Aussage kann auf einem Bildschirm im Gerichtssaal mittels Videoübertragung mitverfolgt werden. Wenn eine Gegenüberstellung zur Identifizierung durchgeführt werden muss oder wenn eine Konfrontation mit der/dem Angeklagten notwendig erscheint, da die jeweiligen Aussagen in erheblichen Umständen von einander abweichen, können Sie Ihre Teilnahme als Zeugin/Zeuge nicht verweigern.

Wenn Sie wegen Ihres Alters, einer Krankheit oder Gebrechlichkeit oder anderen erheblichen Umständen (z.B. Sie leben im Ausland) nicht in der Lage sind, vor Gericht zu erscheinen, können Sie unter Verwendung technischer Einrichtungen zur Wort- und Bildübertragung (Videokonferenz) vernommen werden. Sie müssen nicht persönlich vor Gericht erscheinen.

Ich bin minderjährig. Verfüge ich über zusätzliche Rechte?

Wenn Sie unter 14 Jahre sind und durch die der/dem Angeklagten zur Last gelegte Straftat  verletzt worden sein könnten, können Sie eine erneute Aussage in der Hauptverhandlung verweigern, wenn Sie während des Ermittlungsverfahrens kontradiktorisch einvernommen wurden (Die Kontradiktorische Vernehmung (5)). Wenn Sie in Ihrer Geschlechtssphäre verletzt wurden, müssen Sie auf diese Weise einvernommen werden. Opfer, die in ihrer sexuellen Integrität verletzt worden sein könnten und die das 14. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, ist in jedem Fall auch ohne Antrag Prozessbegleitung (4) kostenlos zu gewähren.

Eine Vertrauensperson muss anwesend sein.

Erhalte ich rechtlichen Beistand?

Wenn Sie Anspruch auf juristische Prozessbegleitung (4) haben, erhalten Sie rechtliche Beratung und Vertretung. . Diese Leistungen werden kostenfrei von RechtsanwältInnen in Zusammenarbeit mit spezialisierten Opferhilfeeinrichtungen erbracht.

Wenn Sie keinen Anspruch auf Prozessbegleitung (4) haben, können Sie bei Gericht kostenlose Verfahrenshilfe beantragen, sofern Sie sich dem Verfahren als Privatbeteiligte/Privatbeteiligter angeschlossen haben. Wenn die rechtliche Vertretung vom Gericht als notwendig erachtet wird (vor allem, um eine darauf folgende zivilrechtliche Klage zu vermeiden) und Ihr Einkommen nicht hoch genug ist, um ohne Gefährdung ihres Lebensunterhaltes eine Rechtsvertreterin/einen Rechtsvertreter selbst zu bezahlen, wird der Antrag bewilligt.

Wie erhalte ich Schutz, wenn ich in Gefahr bin?

Wenn Sie einen längeren Schutz gegen die Gefährderin/den Gefährder benötigen, haben Sie die Möglichkeit, am Bezirksgericht Ihres Wohnsitzes einen Antrag auf einstweilige Verfügung (“Schutz vor Gewalt in Wohnungen”, “Allgemeiner Schutz vor Gewalt”, oder “Schutz vor Eingriffen in die Privatsphäre”) zu stellen. Um so einen Antrag zu stellen, benötigen Sie keine Anwältin/keinen Anwalt. Allerdings können Sie sich von der Interventionsstelle gegen Gewalt in der Familie oder den Gewaltschutzzentren bei der Antragstellung unterstützen lassen. Die einstweilige Verfügung wird durch Gericht erlassen und durch die Polizei vollzogen. Die einstweilige Verfügung kann von 6 Monaten bis zum Ende anderer Verfahren aufrechterhalten werden.

Wenn Sie Zeugin/Zeuge in einem Strafverfahren sind und befürchten, dass Sie sich oder eine dritte Person einer ernsten Gefahr für Leben, Gesundheit, oder Freiheit aussetzen, ist es zulässig, dass Sie Ihre Aussage anonym machen. In diesem Fall sind Sie nicht dazu verpflichtet, Antworten zu geben, die Rückschlüsse auf Ihre Identität oder die einer dritten Person zulassen. In einem solchen Fall müssen sie Ihren Namen nicht nennen, und Sie dürfen Ihr äußeres Erscheinungsbild verändern. Ihr Mienenspiel muss allerdings für das Gericht erkennbar sein, da dies für die Beurteilung der Glaubwürdigkeit Ihrer Aussage unerlässlich ist.

Auch die Akteneinsicht kann in solchen Fällen eingeschränkt werden. Alle Aktenteile, die Rückschlüsse auf Ihre Identität zulassen, werden von der Einsicht ausgenommen. Kopien von diesen Aktenteilen müssen anonymisiert werden.

Wenn Sie besonders gefährdet sind, können Sie darüber hinaus am speziellen ZeugInnenschutzprogramm (6) des Bundeskriminalamtes teilnehmen.

Sie können auch speziellen Schutz vor den Medien erhalten. Wenn Ihr Name, ein Foto oder andere Daten von Ihnen veröffentlicht werden, die es eine für eine größere Gruppe von Menschen möglich macht, Sie zu identifizieren, haben Sie Anspruch auf eine Entschädigung in der Höhe von maximal 20.000 Euro.

Wie mache ich Schadenersatz von der/dem Beschuldigten geltend und wie erhalte ich staatliche Entschädigung?

Sie können Ersatz für einen Schaden oder eine Beeinträchtigung verlangen, wenn Sie sich durch Erklärung dem Verfahren als Privatbeteiligte/Privatbeteiligter (1) anschließen. Das Gericht kann eine Sachverständige/einen Sachverständigen beauftragen, das Ausmaß der von Ihnen erlittenen Körperverletzung, die durch die Straftat verursacht wurde, festzustellen.

Wenn das Gericht die Angeklagte/den Angeklagten verurteilt, wird auch über Ihr Schadenersatzbegehren entschieden. Abhängig von den Beweisergebnissen wird das Gericht

  • entscheiden, dass die/der Verurteilte den vollen Betrag des begehrten Schadenersatzes zu bezahlen hat
  • entscheiden, dass die/der Verurteilte einen Teil des begehrten Schadenersatzes zu bezahlen hat oder
  • Sie mit Ihren Ansprüchen auf den Zivilrechtsweg verweisen (für gewöhnlich passiert das dann, wenn die Erkenntnisse aus dem Strafverfahren nicht ausreichen oder wenn die nötige zusätzliche Beweisaufnahme das Verfahren erheblich verzögern würde)

Wenn das Gericht die Angeklagte/den Angeklagten freispricht, müssen Sie mit Ihrem Begehren auf den Zivilrechtsweg verwiesen werden.

Wenn Sie durch eine vorsätzliche Straftat eine Körperverletzung oder Gesundheitsschädigung erlitten haben, haben Sie Anspruch auf staatliche Entschädigung. Bitte schlagen Sie in der Informationsübersicht über Entschädigung für Verbrechensopfer in Österreich (in  EnglischDeutsch und anderen Sprachen) im Europäischen Justiziellen Netz für Strafsachen nach.

Gibt es Möglichkeiten einen Vergleich/eine Abmachung mit der/dem Beschuldigtenzu treffen, oder einen Tatausgleich  durchzuführen?

Während der Verhandlung kann das Gericht auf einen Vergleich zwischen Angeklagter/Angeklagtem und Opfer hinarbeiten. Wenn Sie Privatbeteiligte/Privatbeteiligter (1) sind, kann die Richterin/der Richter Sie und die Angeklagte/den Angeklagten laden, um einen Vergleich zu diskutieren. Die Richterin/der Richter kann einen diesbezüglichen Vorschlag darlegen. Wenn eine Einigung bzw. ein Vergleich  erreicht wird, muss dieser niedergeschrieben und der Angeklagten/dem Angeklagten, der Staatsanwaltschaft und Ihnen ausgehändigt werden.

Die Richterin/der Richter hat eine alternative Beendigung des Verfahrens (Diversion (7)) anzuordnen, wenn:

  • der Sachverhalt hinreichend geklärt ist;
  • der Fall nicht ohne Reaktion der Behörden eingestellt werden kann und
  • wenn eine diversionelle Erledigung ausreicht, um die Angeklagte/den Angeklagten daran zu hindern, weitere Straftaten zu begehen.

Eine der Diversionsmaßnahmen, die die Richterin/der Richter auswählen kann, ist der Tatausgleich (Täterin/Täter- Opfer-Mediation). In der Regel wird eine Konfliktreglerin/ein Konfliktregler einer spezialisierten Einrichtung damit betraut. Sie können in den Tatausgleich involviert sein, wenn Sie das möchten. Sie haben das Recht, während der Gespräche über einen Tatausgleich von einer Vertrauensperson begleitet zu werden. Sie werden so schnell wie möglich über Ihre Rechte und über geeignete Opferhilfeorganisationen informiert.

In bestimmten Fällen sind Diversionsmaßnahmen per Gesetz ausgeschlossen (z.B. bei Sexualdelikten, die mit mehr als dreijähriger Freiheitsstrafe bedroht sind).

Ich bin Ausländerin/Ausländer. Wie werden meine Rechte und Interessen geschützt?

Wenn Sie Ausländerin/Ausländer sind und weder Deutsch noch eine der offiziellen Amtssprachen (8) sprechen, haben Sie das Recht auf kostenlose Dometschleistungen. Dolmetschleistungen werden zumindest, wenn Sie über Ihre Rechte im Verfahren informiert werden, gewährt und während den Verhandlungen, an denen Sie teilnehmen.

Prozessbegleitung (4) für Opfer, die keine der Amtssprachen sprechen, umfasst Übersetzungshilfe und wird vom Bundesministerium für Justiz finanziert.

Wenn Sie als Zeugin/Zeuge im Ausland leben und Sie nicht willens oder in der Lage sind, dem Verfahren beizuwohnen, können Sie unter Verwendung technischer Einrichtungen zur Wort- und Bildübertragung vernommen werden, sofern die zuständige ausländische Behörde Rechtshilfe leistet.

Mehr Information

  • Strafprozessordnung (StPO) – in Deutsch
  • Strafgesetzbuch (StGB) – in Deutsch
  • Verbrechensopfergesetz (VOG) – in Deutsch
  • Jugendgerichtsgesetz (JGG) – in  Deutsch

1. Privatbeteiligte/Privatbeteiligter

Um Privatbeteiligte/Privatbeteiligter zu werden, muss man eine Erklärung abgeben. Die Erklärung muss die konkrete ziffernmäßige Bezeichnung des Anspruchs auf Ersatz des durch die Straftat verursachten Schadens oder der erlittenen Beeinträchtigung beinhalten. Während des Ermittlungsverfahrens muss die Erklärung an die Polizei oder die Staatsanwaltschaft gerichtet sein. Die Erklärung kann sowohl mündlich als auch in schriftlicher Form erfolgen. Während der Hauptverhandlung muss die Erklärung bis zum Schluss des Beweisverfahrens abgegeben werden. Bis dahin ist der Anspruch auch spätestens konkret zu beziffern.

Als Privatbeteiligte/Privatbeteiligter haben Sie über die Rechte von Opfern hinaus folgende zusätzliche Rechte:

Aufnahme von Beweisen, die dazu dienen, die Beschuldigte/den Beschuldigten zu verurteilen oder den Schadenersatzanspruch zu begründen;

Zur Hauptverhandlung geladen zu werden;

Gegen die richterliche Entscheidung, das Verfahren einzustellen, Beschwerde zu erheben;

Berufung wegen Ihrer privatrechtlichen Ansprüche zu erheben.

2. Subsidiaranklägerin/Subsidiarankläger

Um Subsidiaranklägerin/Subsidiarankläger zu werden, müssen Sie vorerst Privatbeteiligte/Privatbeteiligter sein bzw. werden und eine Erklärung abgeben, die Anklage aufrecht zu erhalten. Wenn die Beschuldigte/der Beschuldigte minderjährig ist, ist eine Subsidiaranklage nicht zulässig.

Durch Erklärung werden Sie zur Subsidiaranklägerin/zum Subsidiarankläger. Wenn die Staatsanwältin/der Staatsanwalt während der Hauptverhandlung von der Anklage zurücktritt, müssen Sie sofort eine Erklärung abgeben, falls Sie zur Verhandlung ordnungsgemäß geladen wurden. Wenn Sie der Ladung keine Folge geleistet haben, oder wenn Sie keine Erklärung abgeben, wird die Beschuldigte/der Beschuldigte freigesprochen.

Wenn die Staatsanwältin/der Staatsanwalt von der Anklageaußerhalb der Verhandlung zurücktritt oder Sie als Privatbeteiligte/Privatbeteiligter nicht ordnungsgemäß geladen wurden, sind Sie vom Gericht darüber zu verständigen. Sie haben dann einen Monat Zeit, eine Erklärung zur Subsidiaranklage abzugeben.

Wenn Sie die Verfolgung der Straftat an Stelle der Staatsanwältin/des Staatsanwaltes fortsetzen, kann sich letztere/letzterer jederzeit Informationen über das Verfahren einholen und das Verfahren wieder an sich ziehen. In diesem Fall haben Sie wieder die Stellung einer Privatbeteiligten/eines Privatbeteiligten.

3. Privatanklägerin/Privatankläger

Manche weniger schwerwiegende Delikte werden nicht von der Staatsanwaltschaft verfolgt, sondern nur auf Initiative des Opfers. Wenn Sie Opfer eines solchen Deliktes sind, kommt es nur dann zu einem Strafverfahren, wenn Sie selbst eine Privatanklage bei Gericht einbringen. Sie werden sodann zur Privatanklägerin/zum Privatankläger. Hier gibt es kein Ermittlungsverfahren. Sie als Privatanklägerin/ Privatankläger müssen alle Tatsachen, die für eine Verurteilung wesentlich sind, selbst unter Beweis stellen. Wenn die Beschuldigte/der Beschuldigte freigesprochen wird, müssen Sie die Kosten des Verfahrens tragen.

4. Prozessbegleitung

Wenn Sie durch eine vorsätzlich begangene Straftat Gewalt oder gefährlicher Drohung ausgesetzt oder in ihrer sexuellen Integrität beeinträchtigt wurden, haben Sie Anspruch auf Prozessbegleitung. Ein Anspruch auf Prozessbegleitung besteht auch, wenn der Tod einer Person durch eine Straftat herbeigeführt worden sein könnte, und Sie eine nahe Angehörige/ein naher Angehöriger dieser Person sind, oder Sie sonst eine Angehörige/ein Angehöriger dieser Person sind und Zeuge der Tat waren. Opfer, die in ihrer sexuellen Integrität verletzt worden sein könnten und die das 14. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, ist in jedem Fall auch ohne Antrag Prozessbegleitung kostenlos zu gewähren.

Ein Teil der Prozessbegleitung ist die psychosoziale Unterstützung, die Begleitungen zu Polizei und Gericht für Vernehmungen sowie Vorbereitungen auf die Verhandlung beinhaltet.

Prozessbegleitung wird von speziellen Opferschutzeinrichtungen (wie Kinderschutzzentren, Beratungsstellen oder Interventionsstellen) gewährt. Die MitarbeiterInnen dieser Organisationen sind SozialarbeiterInnen, PsychologInnen, und vergleichbare Fachleute mit zusätzlichem obligatorischem juristischen Training in Bezug auf Strafverfahren.

Der andere Teil der Prozessbegleitung ist die juristische Unterstützung inklusive Rechtshilfe und Vertretung vor Gericht und den Behörden. AnwältInnen in Kooperation mit Opferschutzorganisationen bieten diese Leistungen an.

Das Bundesministerium für Justiz fördert die Prozessbegleitung.

5. Die kontradiktorische Vernehmung

Wenn Sie einer besonders gefährdeten Opfergruppe angehören, wird Ihre Einvernahme mittelbar und sehr achtsam durchgeführt. Sie können in Anwesenheit Ihrer Vertrauensperson aussagen. Die/der Beschuldigte, deren/dessen Verteidigerin/Verteidiger und andere Verfahrensbeteiligte können die Vernehmung auf einem Bildschirm in einem separaten Raum mitverfolgen. Sie haben die Möglichkeit, Fragen zu stellen. Ihre Aussage wird aufgenommen und kann in der Hauptverhandlung abgespielt werden. Alle Gerichte in Österreich haben die nötige audiovisuelle Ausstattung. Sie müssen vor Gericht nicht, noch einmal aussagen.

Die Vernehmung hat so anberaumt zu werden, dass Sie die Beschuldigte/den Beschuldigten nicht treffen. In neueren Gerichtsgebäuden gibt es spezielle Warteräume für ZeugInnen.

Wenn Sie unter 14 Jahre alt sind und Ihre sexuelle Integrität durch die Straftat verletzt wurde, müssen Sie auf diese Weise vernommen werden. Eine Sachverständige/ein Sachverständiger (z.B. eine Psychiaterin/ein Psychiater) kann die Vernehmung durchführen.

Wenn Sie zu einer Straftat aussagen müssen, derer eine Angehörige/ein Angehöriger verdächtig ist oder Ihre sexuelle Integrität beeinträchtigt worden sein könnte, müssen Sie auf diese Weise vernommen werden, wenn Sie oder die Staatsanwältin/der Staatsanwalt dies beantragen.

6. ZeugInnenschutzprogramme

Die Teilnahme an einem ZeugInnenschutzprogramm bedeutet, dass Sie und Ihre Angehörigen eine neue Identität bekommen. Dazu gehören neue Identitätsausweise, eine neue Adresse, eine neue Biographie etc. Eine Voraussetzung, um an dem Programm teilnehmen zu können, ist die Existenz eines Verbrechens vor allem in Zusammenhang mit organisierter Kriminalität, Terrorismus und schweren Verbrechen im Allgemeinen - und die Bereitschaft der Zeugin/des Zeugen auszusagen. Die Vertrauenswürdigkeit und Eignung der ZeugInnen wird überprüft.

Österreichische Behörden kooperieren in diesen Fällen eng mit den Behörden anderer Staaten.

7. Diversion: alternative Beendigungsmöglichkeiten des Verfahrens im Bereich der leichten und mittelschweren Kriminalität

Alternative Maßnahmen werden in manchen Fällen von leichter und mittelschwerer Kriminalität an Stelle einer Bestrafung innerhalb eines konventionellen Strafverfahrens herangezogen. Neben dem Tatausgleich (Täterin/Täter-Opfer-Mediation) besteht die Möglichkeit der Zahlung eines Geldbetrages durch die Beschuldigte/den Beschuldigten, Erbringung von gemeinnützigen Leistungen oder einer Probezeit mit oder ohne Weisungen, bestimmte Pflichten zu erfüllen. Diese Handhabung von Straftaten hat zur Folge, dass der Name der Beschuldigten/des Beschuldigten nicht im Strafregister aufscheint. Die Beschuldigte/der Beschuldigte wird nicht verurteilt und ist daher nicht vorbestraft.

8. Amtssprachen

Deutsch ist Amtssprache in Österreich. In Teilen der Steiermark und im Burgenland ist auch Kroatisch als Amtssprache festgelegt. In Teilen von Kärnten gilt Slowenisch als Amtssprache. In Teilen des Burgenlands ist auch Ungarisch Amtssprache.

Letzte Aktualisierung: 06/11/2018

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