Beschuldigte (Strafverfahren)

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Wo findet die Hauptverhandlung statt?

Je nach Schwere der gegen Sie erhobenen Anklagepunkte findet die Hauptverhandlung entweder vor dem Court of Magistrates oder dem Criminal Court statt.

Abgesehen von wenigen Ausnahmen, etwa wenn die Identität des Opfers geheim bleiben muss, ist die Hauptverhandlung öffentlich.

Findet die Hauptverhandlung vor dem Court of Magistrates statt, entscheidet der vorsitzende Richter in der Sache. Findet die Hauptverhandlung vor dem Criminal Court statt, entscheiden die Geschworenen in der Sache, und der vorsitzende Richter legt im Falle eines Schuldspruchs das Strafmaß fest.

Kann die Anklage während der Hauptverhandlung geändert werden?

Wenn die Hauptverhandlung vor dem Court of Magistrates stattfindet, kann die Anklage geändert werden. Die Strafverfolgungsbehörde kann eine Änderung der Anklage beantragen, wenn das Beweismaterial dies nahe legt oder die ursprüngliche Anklage einen Fehler enthielt. Anklagepunkte können auch fallen gelassen oder ersetzt werden.

Wenn die Hauptverhandlung vor dem Criminal Court stattfindet, darf die Anklage, nachdem Sie sich schuldig oder nicht schuldig bekannt haben, nur unter bestimmten Umständen geändert und dabei gegenüber den ursprünglichen Anklagepunkten nicht verschärft werden.

Wenn Sie sich in allen Anklagepunkten schuldig bekennen, fällt das Gericht sofort das Urteil. Wenn Sie sich in einigen Anklagepunkten schuldig bekennen und die anderen Anklagepunkte nicht von der Staatsanwaltschaft fallen gelassen oder geändert werden, setzt das Gericht die Hauptverhandlung fort.

Welche Rechte habe ich während der Hauptverhandlung?

Sie müssen in allen Phasen der Hauptverhandlung persönlich anwesend sein.

Wenn Sie in einem anderen Mitgliedstaat leben, können Sie nicht per Videokonferenz an der Hauptverhandlung teilnehmen.

Falls Sie kein Maltesisch verstehen, aber Englisch sprechen, wird die Hauptverhandlung in englischer Sprache geführt. Wenn Sie kein Englisch verstehen, wird die Hauptverhandlung in maltesischer Sprache geführt und für Sie ein Dolmetscher geladen.

Es steht Ihnen frei, sich selbst zu verteidigen; in der Regel bestehen die Gerichte jedoch darauf, dass Sie sich zur Unterstützung einen Anwalt nehmen oder Ihnen ein Anwalt beigeordnet wird. Falls Sie Prozesskostenhilfe erhalten, können Sie Ihren Anwalt (Pflichtverteidiger) nicht wechseln. Wenn Sie sich jedoch selbst einen Anwalt genommen haben, können Sie ihn auch wechseln.

Sie sind nicht verpflichtet, während der Hauptverhandlung auszusagen. Aus Ihrem Schweigen dürfen keine Schlüsse gezogen werden. Wenn Sie sich allerdings freiwillig in den Zeugenstand begeben, dürfen Sie die Beantwortung belastender Fragen zu den gegen Sie erhobenen Anschuldigungen nicht verweigern.

Wenn Sie nicht die Wahrheit sagen, kann dies Ihrer Glaubwürdigkeit ernsthaft schaden und darüber hinaus den Straftatbestand des Meineids erfüllen.

Welche Rechte habe ich hinsichtlich der gegen mich vorgebrachten Beweise?

In der Regel können Sie belastende Beweismittel anfechten. Wenn es sich dabei um Zeugen handelt, können Sie diese ins Kreuzverhör nehmen oder eigene Zeugen benennen, um ihre Aussagen zu widerlegen. Handelt es sich um Urkundenbeweise, können Sie den Zeugen oder Sachverständigen, der das Beweisstück vorgelegt hat, ins Kreuzverhör nehmen oder eigene Zeugen benennen, um das Beweisstück zu entkräften. Sie dürfen jedoch kein eigenes Sachverständigengutachten vorlegen. Sachverständigenbeweise können nur durch ein Kreuzverhör des Sachverständigen in Bezug auf seine Feststellungen oder sein Gutachten entkräftet werden.

Sie können zu Ihrer Verteidigung Zeugen benennen und Urkundenbeweise vorlegen.

Wenn Ihre Hauptverhandlung vor dem Criminal Court stattfindet, müssen Sie innerhalb einer gesetzlich festgelegten Frist, die ab der Zustellung der Anklageschrift läuft, sämtliche Zeugen und anderen Beweismittel benennen, die Sie in der Hauptverhandlung zu Ihrer Verteidigung vorbringen wollen. Eine solche Beschränkung gilt nicht, wenn die Hauptverhandlung vor dem Court of Magistrates stattfindet.

Es steht Ihnen frei, zur Beschaffung von Beweismitteln die Dienste eines Privatdetektivs in Anspruch zu nehmen. Die so beschafften Beweismittel sind zulässig, es sei denn, dies ist gesetzlich ausgeschlossen.

Ihr Anwalt kann die Zeugen der Anklage ins Kreuzverhör nehmen und dabei die Glaubwürdigkeit ihrer Aussagen in Zweifel ziehen.

Werden Informationen über meine Vorstrafen berücksichtigt?

Informationen über Ihre Vorstrafen werden berücksichtigt, wenn sich ein Anklagepunkt auf eine frühere Verurteilung stützt. Beispiele dafür sind Rückfälle oder die Begehung einer Straftat während der Bewährungszeit. Außerdem kann der Richter im Falle Ihrer Verurteilung Ihre Vorstrafen bei der Strafzumessung berücksichtigen.

In einer Hauptverhandlung vor dem Criminal Court können Ihre Vorstrafen berücksichtigt werden, wenn Sie versuchen, Ihren guten Ruf geltend zu machen oder einen Zeugen der Anklage zu diskreditieren. Bei der Strafzumessung kann das Gericht ein rechtskräftiges Urteil eines ausländischen Gerichts berücksichtigen.

Wie endet die Hauptverhandlung?

Am Ende der Hauptverhandlung werden Sie freigesprochen oder im Sinne der Anklage verurteilt. Sie können auch in einzelnen Anklagepunkten freigesprochen oder verurteilt werden.

Im Falle einer Verurteilung kann eine Freiheitsstrafe verhängt werden. Bei einer Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren kann das Gericht den Vollzug für die Dauer von bis zu vier Jahren aussetzen. Wenn die Straftat mit einer Freiheitsstrafe von bis zu sieben Jahren bedroht ist, kann das Gericht Sie auch ohne oder mit Auflagen, die höchstens drei Jahre lang gelten, freilassen. Falls Sie gegen eine gerichtliche Auflage verstoßen, kommen sie wieder vor Gericht und werden erneut verurteilt.

Das Gericht kann die Strafe auch zur Bewährung aussetzen und Sie unter die Aufsicht eines Bewährungshelfers stellen. In bestimmten Fällen kann das Gericht auch eine Geldstrafe verhängen.

Welche Rolle spielt das Opfer in der Hauptverhandlung?

Wenn die Hauptverhandlung vor dem Criminal Court stattfindet, darf das Opfer anwesend sein und sich zum Strafmaß äußern.

Vor dem Court of Magistrates kann das Opfer eine aktivere Rolle übernehmen, indem es den Strafverfolgungsbeamten persönlich oder durch einen Anwalt unterstützt.

Letzte Aktualisierung: 20/12/2016

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