Beschuldigte (Strafverfahren)

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Wo findet die Hauptverhandlung statt?

Die Hauptverhandlung findet vor dem örtlich und sachlich zuständigen Gericht statt.

Bei geringfügigen Vergehen ist der Friedensrichter oder der Einzelrichter zuständig. Schwerere Straftaten werden vor dem Kollegialgericht verhandelt. Für Straftaten, die als ernste Gefahr für die Gesellschaft angesehen werden (Mord, Terrorismus) ist das Schwurgericht zuständig.

Die Hauptverhandlung muss öffentlich sein, sonst ist sie ungültig.

Der Richter kann in besonderen Fällen entscheiden, dass die Hauptverhandlung oder Teile davon unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden. Sie können beantragen, dass ein Zeuge unter Ausschluss der Öffentlichkeit verhört wird, wenn eine öffentliche Verhandlung Ihre Privatsphäre in Bereichen beeinträchtigen würde, die nicht mit dem Verfahren in Zusammenhang stehen.

Es entscheidet der Richter, der die Hauptverhandlung führt. Bei Hauptverhandlungen vor dem Schwurgericht entscheiden die Geschworenen mit.

Kann die Anklage während der Hauptverhandlung geändert werden?

Die Anklage kann während der Hauptverhandlung geändert werden.

Der Staatsanwalt macht gegebenenfalls weitere Anklagepunkte geltend, wenn sich herausstellt, dass die Straftat anders verlief, als in der Anklageschrift beschrieben, wenn gleichzeitig eine andere Straftat/ein anderes Vergehen begangen wurde oder wenn erschwerende Umstände auftreten.

Sie können beantragen, dass Ihnen für die Vorbereitung Ihrer Verteidigung eine bestimmte Frist eingeräumt wird.

Was passiert, wenn Sie sich schuldig bekennen?

Das ist im italienischen Rechtssystem nicht vorgesehen.

Wenn Sie die Hauptverhandlung vermeiden und ein reduziertes Strafmaß wollen, müssen Sie bei dem Staatsanwalt eine Einigung über das Strafmaß beantragen (Absprache). Sie müssen den Antrag in der Voruntersuchung stellen, oder wenn diese nicht stattfindet, direkt am Anfang der Hauptverhandlung.

Welche Rechte haben Sie in der Hauptverhandlung?

Sie müssen nicht vor Gericht anwesend sein.

Für bestimmte Verfahrenshandlungen kann Ihre Anwesenheit erforderlich sein, beispielsweise wenn ein Zeuge Sie identifizieren muss.

Wenn Sie in einem solchen Fall nicht freiwillig erscheinen, kann der Richter Sie zwangsweise vorführen lassen.

Wenn Sie anwesend sein möchten, aber aus einem schwerwiegenden Grund verhindert sind (Krankheit), kann Ihr Rechtsanwalt die Vertagung der Verhandlung beantragen.

Sie können auch nur bei einigen Verhandlungsterminen anwesend sein. Wenn Sie kein einziges Mal anwesend sind, erlässt das Gericht ein Urteil in Abwesenheit.

Wenn Sie die Sprache nicht verstehen, muss ein Dolmetscher anwesend sein.

Die Vertretung durch einen Rechtsanwalt ist vorgeschrieben. Er muss bei der Hauptverhandlung anwesend sein.

Sie haben Anspruch auf einen persönlichen Anwalt. Wenn Sie nicht über die erforderlichen Mittel für seine Bezahlung verfügen, können Sie Prozesskostenhilfe beantragen (die Kosten für die Verteidigung werden vom Staat übernommen).

Wenn Sie nicht selbst einen Rechtsanwalt beauftragen, bestellt das Gericht einen für Sie.

Weitere Informationen erhalten Sie in Informationsblatt 1. Sie können Ihrem Rechtsanwalt jederzeit das Mandat entziehen. Wenn Sie einen gerichtlich bestellten Anwalt wechseln wollen, benötigen Sie eine begründete richterliche Anordnung.

Sie haben das Recht, während der gesamten Hauptverhandlung zu schweigen.

Wenn der Staatsanwalt oder eine der Parteien Ihre Befragung beantragen, können Sie entweder zustimmen oder ablehnen.

Sie können jederzeit während der Hauptverhandlung aussagen.

Sie haben das Recht, befragt zu werden.

Wenn Sie nicht die Wahrheit sagen, werden Sie nicht bestraft. Der Richter kann das aber in seiner Entscheidung zu Ihrem Nachteil berücksichtigen.

Wenn Sie andere Personen beschuldigen, müssen Sie sicher sein, dass Ihre Aussagen richtig sind. Wenn Sie lügen, können Sie wegen Verleumdung belangt werden.

Welche Rechte haben Sie hinsichtlich der gegen Sie vorgebrachten Beweise?

Gleich am Anfang der Hauptverhandlung stellen der Staatsanwalt, Ihr Rechtsanwalt und andere Parteien beim Richter den Antrag auf Zulassung von Beweismitteln.

Ihr Anwalt kann die von anderen Parteien geforderten Beweismittel ablehnen.

Ihr Anwalt kann beantragen, dass Zeugen und Sachverständige gehört und Urkundsbeweise erhoben werden. Das sind Beweismittel, die Ihr Rechtsanwalt möglicherweise bei Ermittlungen für Ihre Verteidigung gesammelt hat. Weitere Informationen finden Sie in Informationsblatt 2. Zeugen und Sachverständige werden während des Kreuzverhörs der Parteien gehört.

Ihr Anwalt kann sowohl die Zeugen der Staatsanwaltschaft als auch Ihre Zeugen befragen.

Ihr Anwalt kann alle vorherigen Aussagen der Zeugen widerlegen. Der Richter berücksichtigt Unstimmigkeiten in den Aussagen, die vor und in der Hauptverhandlung gemacht wurden und bewertet so die Glaubwürdigkeit des Zeugen.

Werden Informationen über Ihre Vorstrafen berücksichtigt?

Der Richter kann alle Ihre Vorstrafen berücksichtigen.

Ihnen kann vorgeworfen werden, ein Wiederholungstäter zu sein. In diesem Fall fällt die Strafe bei einer Verurteilung höher aus.

Vorstrafen in anderen Mitgliedstaaten können berücksichtigt werden, wenn sie vom italienischen Staat anerkannt werden.

Wie endet die Hauptverhandlung?

Wenn die Hauptverhandlung vorbei ist, tragen der Staatsanwalt, Ihr Rechtsanwalt und alle anderen Parteien ihr Schlussplädoyer vor und stellen Ihre Anträge.

Der Richter verliest sein Urteil und unmittelbar darauf die Rechtsmittelbelehrung.

Das Urteil kann entweder ein Freispruch oder eine Verurteilung sein.

Im Fall einer Verurteilung wird eine Geld- oder Freiheitsstrafe oder beides zusammen verhängt.

Der Richter kann die Strafe zur Bewährung aussetzen.

Eine Freiheitsstrafe, die nicht zur Bewährung ausgesetzt wurde, wird vollstreckbar, sobald das Urteil rechtskräftig wird.

Wenn der Richter es für erforderlich hält, kann er Haft oder Hausarrest anordnen oder einem entsprechenden Antrag zustimmen. Nähere Informationen finden Sie in Informationsblatt 2.

Ein Friedensrichter kann Sie zu einer Geldstrafe, zu Hausarrest oder zu gemeinnütziger Arbeit verurteilen.

Ein zur Bewährung ausgesetztes Urteil ist nicht vollstreckbar.

Der Friedensrichter kann die Strafe durch eine Ausweisung ersetzen.

Welche Rolle spielt das Opfer in der Hauptverhandlung?

Das Opfer eines Vergehens/einer Straftat kann zusammen mit einem Rechtsanwalt am Strafverfahren teilnehmen.

Der Rechtsanwalt nimmt an der Hauptverhandlung teil. Er kann Beweise anfordern und Zeugen und Sachverständige befragen.

Im Fall einer Verurteilung kann Sie der Richter zur Zahlung von Schadensersatz an die geschädigte Partei verurteilen.

Der Richter kann entscheiden, dass der Schadensersatz unverzüglich zu zahlen ist.

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Letzte Aktualisierung: 25/06/2018

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