Beschuldigte (Strafverfahren)

Zypern

Inhalt bereitgestellt von
Zypern

Wo findet die Hauptverhandlung statt?

Die Hauptverhandlung findet vor dem Gericht des Bezirks statt, in dem die Straftat begangen wurde.

Die Verhandlung ist öffentlich, sofern das Gericht nicht den Ausschluss der Öffentlichkeit beschließt. In der Verfassung sind die Gründe für einen Ausschluss der Öffentlichkeit aufgeführt.

Es gibt in Zypern keine Geschworenengerichte. Die rechtliche und sachliche Zuständigkeit liegt bei Berufsrichtern.

Kann die Anklage während der Hauptverhandlung geändert werden?

Mit Zustimmung des Gerichts kann die Anklage während der Hauptverhandlung geändert werden. Dies ist möglich, wenn die Informationen in der Anklage unzureichend sind oder die Anklagepunkte durch die Beweise besser belegt werden sollen.

Sollten sich während der Beweisaufnahme neue Anklagepunkte ergeben, können sie mit Zustimmung des Gerichts der Anklageschrift hinzugefügt werden. In diesem Fall kann die Hauptverhandlung ausgesetzt werden, damit Sie und Ihr Verteidiger sich entsprechend vorbereiten können.

Erweist sich am Ende der Hauptverhandlung nur ein Teil der Anklage als zutreffend und handelt es sich dabei um eine eigenständige Straftat, können Sie ohne Änderung der Anklageschrift für diese Straftat verurteilt werden. Desgleichen können Sie ohne Änderung der Anklage wegen derselben Straftat wegen Versuchs verurteilt werden. Am Ende der Verhandlung kann das Gericht die Aufnahme zusätzlicher, sich aus der Beweisaufnahme ergebender Anklagepunkte anordnen und Sie ohne Änderung der Anklageschrift verurteilen. Dies darf jedoch nicht zu einem Fehlurteil führen.

Mit Zustimmung des Gerichts können Sie Ihre Aussage in Bezug auf alle oder auch einzelne Anklagepunkte ändern. Plädieren Sie in einigen Anklagepunkten auf schuldig, wird das Gericht über die verbleibenden Anklagepunkte verhandeln. Plädieren Sie in allen Anklagepunkten auf schuldig, geht das Gericht sofort zur Bemessung des Strafmaßes über.

Welche Rechte haben Sie in der Hauptverhandlung?

Sie haben Anspruch auf ein faires und öffentliches Verfahren, das innerhalb einer angemessenen Frist vor einem durch Gesetz errichteten unabhängigen, unparteiischen sowie sachlich und räumlich zuständigen Gericht stattfindet.

Das Urteil des Gerichts muss begründet werden und wird in der Regel öffentlich verkündet, sofern eine öffentliche Verkündung nicht den Interessen der Justiz zuwiderläuft.

Wenn Sie einer Straftat beschuldigt werden, können Sie mindestens folgende verfassungsmäßige Rechte geltend machen:

  • Sie erhalten umgehend und in einer Ihnen verständlichen Sprache detaillierte Informationen über die Art und die Gründe der Ihnen zur Last gelegten Tatbestände.
  • Sie erhalten ausreichend Zeit und Möglichkeiten, um Ihre Verteidigung vorzubereiten.
  • Sie können sich selbst verteidigen oder durch einen Anwalt Ihrer Wahl vertreten lassen oder erhalten, wenn Sie sich einen Rechtsbeistand nicht leisten können, Prozesskostenhilfe, sofern dies im Interesse der Rechtsfindung liegt.
  • Sie können Fragen an Zeugen der Anklage richten, wobei für Ihre Zeugen und für Zeugen der Anklage dieselben Bedingungen gelten.
  • Sie haben Anspruch auf einen für Sie kostenlosen Gerichtsdolmetscher, wenn Sie sich in der Verfahrenssprache nicht verständlich machen können.

Müssen Sie an der Hauptverhandlung teilnehmen?

Wenn Sie eine Ladung zum persönlichen Erscheinen vor Gericht erhalten haben, müssen Sie teilnehmen. Erscheinen Sie nicht, wird ein Haftbefehl gegen Sie ausgestellt.

Bleiben Sie während der Hauptverhandlung in Untersuchungshaft oder werden Sie freigelassen?

Abgesehen von schweren Fällen werden Sie während der Hauptverhandlung gegen eine Kaution freigelassen. Es kann jedoch ein Verbleiben in der Haft angeordnet werden, wenn ernsthaft zu befürchten ist, dass Sie nach einer Freilassung nicht zur Hauptverhandlung erscheinen. Die Hinterlegung einer Kaution kann ferner abgelehnt werden, wenn zu befürchten ist, dass Sie nach einer Freilassung weitere Straftaten begehen.

Wird eine Kaution abgelehnt und wird Ihre Sache vor einem Bezirksgericht verhandelt, dürfen Sie nicht länger als acht Tage bis zu Ihrem nächsten Erscheinen vor Gericht inhaftiert werden. Wird die Sache vor einem Schwurgericht verhandelt, ist die Zeit der Inhaftierung nicht befristet.

Gegen die Ablehnung einer Kaution können Sie Rechtsmittel einlegen. Dies muss innerhalb von zehn Tagen nach dem Beschluss geschehen.

Die Untersuchungshaft ist zeitlich nicht begrenzt. Ihre Sache muss jedoch innerhalb einer annehmbaren Frist zur Verhandlung kommen.

Sie leben in einem anderen Mitgliedstaat. Können Sie per Videokonferenz an der Hauptverhandlung teilnehmen?

Eine Teilnahme an Strafverfahren per Videokonferenz ist nicht vorgesehen.

Müssen Sie sich in der Hauptverhandlung von einem Anwalt vertreten lassen?

Sie müssen sich n Gerichtsverfahren nicht von einem Anwalt vertreten lassen, sondern können sich selber verteidigen. Wenn Sie sich anwaltlich vertreten lassen, haben Sie in jeder Phase des Verfahrens das Recht, den Anwalt zu wechseln.

Können Sie sich keinen Anwalt leisten, haben Sie Anspruch auf Prozesskostenhilfe, sofern dies Interesse der Rechtsfindung liegt.

Wenn Sie sich in der Hauptverhandlung von einem Anwalt vertreten lassen, tritt dieser als Ihr Verteidiger auf. Verteidigen Sie sich selber, haben Sie die gleichen Rechte, also auch das Recht zu schweigen und das Recht, sich nicht selber zu belasten.

Welche Rolle spielen Sie in der Hauptverhandlung?

Nachdem die Staatsanwaltschaft die Anklageschrift verlesen hat, können Sie gegenüber dem Gericht geltend machen, dass die Anklage jeglicher Grundlage entbehrt, weil

  • kein Beweis für ein wesentliches Tatbestandsmerkmal vorliegt;
  • die von der Staatsanwaltschaft angeführten Beweise sich als unzuverlässig und für eine sichere Verurteilung nicht ausreichend erwiesen haben.

Stimmt das Gericht Ihrer Argumentation zu, werden Sie freigesprochen, ohne dass Sie aufgefordert werden, sich zur Anklage zu äußern.

Befindet das Gericht, dass auf die Anklage erwidert werden muss, hat es Sie über die folgenden Rechte zu belehren:

  • Sie können unter Eid aussagen. In diesem Fall werden Sie von der Staatsanwaltschaft ins Kreuzverhör genommen.
  • Sie können eine nicht beeidigte Aussage von der Anklagebank aus machen. In diesem Fall können Sie keinem Kreuzverhör unterzogen werden;
  • Sie können schweigen. Wenn Sie von Ihrem Schweigerecht Gebrauch machen, darf dies nicht zu Ihren Ungunsten ausgelegt werden.

Können Sie Zeugen zu Ihrer Entlastung aufrufen?

Gleichgültig, ob Sie sich für oder gegen eine Aussage entscheiden, Sie haben auf jeden Fall das Recht, Zeugen zu Ihrer Entlastung aufzurufen.

Wenn Sie sich zu einer Aussage unter Eid entschlossen haben und Ihnen eine belastende Frage gestellt wird, muss das Gericht Sie auf Ihr Recht auf Aussageverweigerung hinweisen.

Was passiert, wenn Sie vor Gericht die Unwahrheit sagen?

Machen Sie während der Hauptverhandlung eine Falschaussage, begehen Sie einen Meineid, der mit einer Freiheitsstrafe geahndet wird.

Welche Rechte haben Sie hinsichtlich der gegen Sie vorgebrachten Beweise?

Sie haben das Recht, von der Staatsanwaltschaft vorgebrachte Beweise durch ein Kreuzverhör von Zeugen der Anklage in Zweifel zu ziehen. Sie können auch Beweismittel ablehnen.

Können Sie Beweise zu Ihren Gunsten vorbringen?

Sie können alle Beweise zu Ihrer Verteidigung vorbringen, die für den Verfahrensgegenstand relevant und rechtlich zulässig sind. Geht es um Ihren Leumund, können Sie zu Ihrer Verteidigung einen Leumundszeugen aufrufen.

Können Sie einen Privatdetektiv engagieren, der für Sie Beweise sammelt?

Diese Möglichkeit besteht. Die auf diese Weise gesammelten Beweise können bei Gericht nach den gleichen Regeln vorgebracht werden, die für alle anderen Beweise auch gelten.

Werden Auskünfte über Ihr Strafregister berücksichtigt?

Ihr Strafregister wird in der Hauptverhandlung nicht offen gelegt, es sei denn, Sie sagen aus und bringen Ihren Leumund ins Spiel, indem Sie den Leumund eines Zeugen der Anklage während des Kreuzverhörs in Frage stellen.

Ihre früheren Straftaten dürfen vor Gericht unter der Voraussetzung angeführt werden, dass die Straftat, wegen der Sie vor Gericht stehen, anderen von ihnen begangenen Straftaten ähnlich ist.

Ihre Vorstrafen in einem anderen Mitgliedstaat können mit Ausnahme der Fälle berücksichtigt werden, in denen die Strafen verbüßt sind.

Wie endet die Hauptverhandlung?

Am Schluss der Hauptverhandlung halten die Parteien ihre Schlussplädoyers und daraufhin verkündet das Gericht sein Urteil.

Das Gericht kann Sie verurteilen oder freisprechen.

Bei einer Verurteilung haben Sie das Recht, sich vor Verkündung des Urteils an das Gericht zu wenden, um eine Strafminderung zu bewirken.

Nähere Informationen über mögliche Strafmaße finden Sie hier.

Welche Rolle spielt das Opfer in der Hauptverhandlung?

Das Opfer spielt in der Hauptverhandlung keine besondere Rolle, doch kann es als Zeuge aufgerufen werden und Aussagen über die näheren Tatumstände sowie die daraus resultierenden Verletzungen, Schäden und Verluste machen.

Bei der Bemessung des Strafmaßes kann das Opfer von der Staatsanwaltschaft aufgefordert werden, die Folgen der Straftat zu beschreiben. Wenn Sie zu einer Entschädigung des Opfers bereit sind und das Opfer Ihnen die Tat vergibt, kann sich dies strafmindernd auswirken.

Strafformen

Im Folgenden finden Sie eine Liste der verschiedenen Strafformen, die von einem Gericht in Zypern verhängt werden können.

  • Freiheitsstrafe, d. h. Inhaftierung in einem Staatsgefängnis für einen bestimmten Zeitraum.
  • Offener Vollzug. Wenn Sie wegen einer Straftat verurteilt werden, die mit einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren geahndet wird, können Sie zu einer Haftstrafe im offenen Vollzug verurteilt werden, die sich über maximal 52 Wochen erstrecken darf. Die wöchentliche Haftzeit beginnt am Freitag um 8 Uhr und endet am Montag um 17 Uhr.
  • Aussetzung der Haftstrafe. Werden Sie zu einer Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren verurteilt, kann unter bestimmten Bedingungen die Strafe für drei Jahre ausgesetzt werden. Verstoßen Sie gegen die Bedingungen, ist die ursprüngliche Haftstrafe zu verbüßen und es kann für Sie noch weitere Konsequenzen geben.
  • Strafaussetzung zur Bewährung. Das Gericht kann die Strafe zur Bewährung aussetzen und anordnen, dass Sie sich für einen Zeitraum zwischen einem und drei Jahren der Aufsicht eines Bewährungshelfers unterstellen. Für die Behandlung jugendlicher Straftäter sieht das Gesetz besondere Maßnahmen vor.
  • Jugendliche Straftäter. Die Strafmündigkeit beginnt mit der Vollendung des 14. Lebensjahres. Nur selten werden jedoch Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren zu Haftstrafen verurteilt.
  • Anordnung der Entfernung eines Minderjährigen aus seiner Familie. Wird ein Elternteil oder ein Erziehungsberechtigter eines Minderjährigen wegen bestimmter Straftaten verurteilt, kann das Gericht die Unterbringung des Kindes an einem sicheren Ort anordnen. Das Kind steht dann in der Obhut des Leiters des Jugendamtes.
  • Einweisung in eine Entziehungsanstalt. Einem wegen eines Drogendelikts Verurteilten kann das Gericht mit dessen Zustimmung anstatt einer anderen Strafe eine Entziehungskur auferlegen.
  • Vorläufige Freilassung gegen Kaution. In diesem Fall werden Ihnen Auflagen gemacht, an die Sie sich während einer bestimmten Zeit halten müssen. Verstoßen Sie gegen die Auflagen, können Sie sowohl wegen dieses Verstoßes als auch wegen der ursprünglichen Straftat verurteilt werden.
  • Das Gericht kann Ihnen zur Auflage machen, für einen bestimmten Zeitraum die öffentliche Ordnung zu wahren.
  • Verbot des Besuchs von Sportveranstaltungen. Werden Sie wegen Gewalttätigkeit(en) bei einem Fußballspiel oder einer anderen Sportveranstaltung verurteilt, kann das Gericht über eine andere Strafe hinaus Ihnen untersagen, Fußballspiele oder andere Sportveranstaltungen zu besuchen.
  • Anordnung zur Einziehung der Erträge aus Straftaten.
  • Entzug der Fahrerlaubnis. Bei einer Verurteilung wegen eines Verkehrsdelikts kann Ihnen vom Gericht zusätzlich zu anderen Strafmaßnahmen die Fahrerlaubnis entzogen werden.
  • Entzug der Erlaubnis zum Besitz oder zur Nutzung einer Sportwaffe. Diese Strafe kann bei unerlaubter Nutzung der Waffe zum Zwecke der Wilderei verhängt werden.
  • Beschlagnahmebeschluss. Das Gericht kann die Beschlagnahme von Gegenständen anordnen, die ungesetzlicherweise in Ihrem Besitz sind oder die Sie sich auf ungesetzliche Weise beschafft haben.
  • Abbruchverfügung. Das Gericht kann den Abbruch eines illegal errichteten Gebäudes verfügen.

Links zum Thema

Website der Regierung über die Verfassung

Letzte Aktualisierung: 18/07/2019

Die verschiedenen Sprachfassungen dieser Seite werden von den betreffenden Mitgliedstaaten verwaltet. Die Übersetzung wurde vom Übersetzungsdienst der Europäischen Kommission angefertigt. Es kann sein, dass Änderungen der zuständigen Behörden im Original in den Übersetzungen noch nicht berücksichtigt wurden. Die Kommission übernimmt keinerlei Verantwortung oder Haftung für Informationen, die dieses Dokument enthält oder auf die es verweist. Angaben zum Urheberrechtsschutz für EU-Websites sind dem rechtlichen Hinweis zu entnehmen.

Rückmeldungen

Teilen Sie uns Ihre Anmerkungen zu unserem neuen Portal über das nachstehende Formular mit.