EU-Fortbildungsnetze und -einrichtungen

Das Europäische Zentrum für Juristen und Rechtsexperten ist eine spezialisierte Außenstelle des Europäischen Instituts für öffentliche Verwaltung (EIPA). Das in Luxemburg angesiedelte Zentrum bietet Fortbildungsprogramme für Richter, Staatsanwälte, Rechtsanwälte und Verwaltungsjuristen aus den EU-Mitgliedstaaten, den Kandidatenländern, aus Ländern, die ein Assoziierungsabkommen mit der EU geschlossen haben, und den EFTA-Staaten an.

Fortbildungsangebot

In der Mitteilung der Europäischen Kommission vom September 2011 über justizielle Aus- und Fortbildung wird das EIPA als einer der wenigen Anbieter von Fortbildungsmaßnahmen für Vertreter der Rechtsberufe auf europäischer Ebene genannt. Die meisten dieser Fortbildungsveranstaltungen werden vom Europäischen Zentrum für Juristen und Rechtsexperten (ECJL), einer Außenstelle des EIPA, entwickelt und durchgeführt.

Neben offenen Schulungen und Konferenzen bietet das Zentrum eine Vielzahl von kundenspezifischen, praxisorientierten Fortbildungsmaßnahmen sowie Beratungs- und Coachingdienstleistungen an und nimmt vergleichende Untersuchungen über die Umsetzung von EU-Recht und die Fortbildung für Juristen aus den EU-Mitgliedstaaten und mit der EU assoziierten Ländern (Kandidatenländern, EFTA-Staaten usw.) vor. Diese Leistungen werden auf der Grundlage von mit den EU-Institutionen geschlossenen Verträgen und maßnahmenbezogenen EU-Finanzhilfen oder im Rahmen bilateraler Verträge mit den nationalen Behörden erbracht.

Das Angebot des Zentrums an offenen Veranstaltungen umfasst:

  • praxisorientierte Workshops von unterschiedlicher Dauer;
  • Programme für lebenslanges Lernen wie Masterprogramme und Kurse auf Master-Ebene (sowohl als Präsenzkurse als auch online als Blended-Learning-Programme); angeboten werden Programme mit einer Dauer zwischen einer Woche und zwei Jahren;
  • einzelne E-Learning-Tutorials zu Themen wie Zugang zu Dokumenten, Binnenmarkt (Freizügigkeit, öffentliches Beschaffungswesen usw.), Umweltrecht und justizielle Zusammenarbeit;
  • Konferenzen zu aktuellen Entwicklungen in verschiedenen Rechtsbereichen wie EU-Umweltrecht oder EU-Vorschriften im Bereich der Finanzdienstleistungen, zu Fragen der justiziellen Zusammenarbeit, zum EU-Beamtenrecht und zu jüngsten Trends in der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs.

In der Reihe der vertraglich vereinbarten Fortbildungsmaßnahmen richten das EIPA und dessen Europäisches Zentrum für Juristen und Rechtsexperten verschiedene auf die speziellen Bedürfnisse der Kunden zugeschnittene Veranstaltungen aus wie etwa:

  • Workshops mit einer Kombination aus problemorientiertem Lernen und Coaching-Einheiten;
  • Studienreisen als Einzelveranstaltung oder in Verbindung mit Schulungen zu ausgewählten Themen;
  • kundenspezifische Blended-Learning-Veranstaltungen;
  • einführende Schulungsmodule von unterschiedlicher Dauer für Richter, Staatsanwälte und andere Justizbedienstete;
  • Workshops zur Schulung von Schulungsleitern einschließlich Entwicklung von Lernmaterial und Handbüchern.

Das Schulungsangebot des Zentrums erstreckt sich auf folgende Themen:

  • institutionelles EU- (und EWR-)Recht;
  • europäisches Verwaltungsrecht und Grundrechte;
  • europäische ordnungspolitische Bereiche wie Umweltschutz, Verbraucherschutz, Lebensmittelsicherheit, Arbeits- und Sozialrecht;
  • alle Bereiche des EU-Binnenmarkts, darunter Finanzdienstleistungen, öffentliches Beschaffungswesen und Wettbewerbsrecht;
  • europäische und internationale justizielle Zusammenarbeit in Familien-, Handels- und anderen Zivilrechtsangelegenheiten sowie Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Strafverfolgung;
  • Streitbeilegungsverfahren vor dem EU- und dem EFTA-Gerichtshof.

Außerdem ist das Zentrum auf Fortbildungs- und Coachingmaßnahmen spezialisiert, die auf eine Stärkung der Unabhängigkeit der Justiz und eine Verbesserung der Justizverwaltung und der Qualität der Justiz durch das Zusammentragen und die gemeinsame Nutzung von Wissen und praktischer Erfahrung in folgenden Bereichen abzielen:

  • Einführung von Qualitätsmanagement im Justizbereich;
  • Verwaltung von Justizorganen (Gerichte, Staatsanwaltschaften, Fortbildungseinrichtungen für Juristen);
  • Analyse des Schulungsbedarfs von Juristen und Evaluierung der Qualität und der Wirkung juristischer Fortbildungsveranstaltungen usw.);
  • Ethik und Korruptionsbekämpfung;
  • Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikation;
  • Einführung und Anwendung von E-Justice-Tools.

Aktuelle Veranstaltungen

Das EIPA führt durchschnittlich 600 bis 700 Fortbildungsveranstaltungen im Jahr durch, an denen zwischen 12 000 und 14 000 Personen teilnehmen. Davon entfallen auf das Zentrum für Juristen und Rechtsexperten 110 bis 130 Veranstaltungen pro Jahr, die sich an die oben genannten Zielgruppen richten.

Zahl der Fortbildungsveranstaltungen (einschließlich Einführungskurse und Studienreisen) 2015 insgesamt: 131

  • Veranstaltungen für Richter, Staatsanwälte und selbstständige Rechtsanwälte: 28
  • Veranstaltungen für andere Rechtsberufe einschließlich Gerichtsbedienstete (außer Richtern): 3
  • Veranstaltungen für Verwaltungsjuristen: 100

Zahl der Teilnehmer 2015 insgesamt: 2423

  • Veranstaltungen für Richter, Staatsanwälte und selbstständige Rechtsanwälte: 375
  • Veranstaltungen für andere Rechtsberufe einschließlich Gerichtsbedienstete (außer Richtern): 26
  • Veranstaltungen für Verwaltungsjuristen: 2022

Durchschnittliche Zahl der Tage je Teilnehmer 2015 insgesamt: 2

  • Veranstaltungen für Richter, Staatsanwälte und selbstständige Rechtsanwälte: 2
  • Veranstaltungen für andere Rechtsberufe einschließlich Gerichtsbedienstete (außer Richtern): 4
  • Veranstaltungen für Verwaltungsjuristen: 2

Die vorstehenden statistischen Daten beinhalten Einführungskurse, Fortbildungsmaßnahmen, Coaching und Studienreisen und schließen Teilnehmer aus EU-Mitgliedstaaten und Drittstaaten ein. In der Statistik nicht erfasst ist das Masterprogramm des Zentrums. Ausgewiesen sind außerdem die Zahlen zu den offenen Veranstaltungen, den von der EU teilfinanzierten Veranstaltungen (z. B. durch maßnahmenbezogene Finanzhilfen der GD Justiz) und zu vollständig von der EU und nationalen Einrichtungen auf vertraglicher Basis finanzierten Maßnahmen. Nicht berücksichtigt sind hingegen Schulungen für Richter und Rechtsanwälte, die im Rahmen des vom EIPA geleiteten Projekts EuroMed Justice III durchgeführt wurden.

Internationale Partnerschaften/Vereinbarungen

Das EIPA ist Mitglied des Europäischen Netzes der öffentlichen Verwaltungen (European Public Administration Network, EUPAN).

Das ECJL hat bilaterale Kooperationsvereinbarungen mit nationalen justiziellen Aus- und Fortbildungseinrichtungen in mehreren EU-Mitgliedstaaten und Kandidatenländern geschlossen.

Seit Jahren arbeitet das EIPA auf Projektbasis mit nationalen Fortbildungseinrichtungen für Juristen in ganz Europa sowie mit europäischen Verbänden verschiedener Rechtsberufe, z. B. dem Rat der Notariate der Europäischen Union (CNUE, Conseil des Notariats de l’Union Européenne), der Europäischen Gerichtsvollzieherkammer (CEHJ, Chambre européenne des huissiers de justice) und dem Rat der Europäischen Anwaltschaften (CCBE, Conseil des Barreaux européens), zusammen.

Geschichte

Das EIPA wurde 1981 als eigenständige gemeinnützige Stiftung gegründet. Es bietet gezielte Fortbildungsveranstaltungen zu Themen der europäischen Integration an, die speziell auf die Bedürfnisse nationaler Behörden (einschließlich der Justiz) der EU-Mitgliedstaaten und der europäischen Institutionen zugeschnitten sind. 22 EU-Mitgliedstaaten und Norwegen sind Mitglieder des EIPA.

1992 gründete das EIPA in Luxemburg seine erste Außenstelle, das Europäische Zentrum für Juristen und Rechtsexperten. Aufgabe des Zentrums ist die Durchführung von Fortbildungsmaßnahmen für Richter, Staatsanwälte, Rechtsanwälte und Verwaltungsjuristen zur Auslegung und Anwendung des Gemeinschaftsrechts bzw. des EU-Rechts.

Seit 2012 ist die Tätigkeit des Europäischen Zentrums für Juristen und Rechtsexperten speziell auf seine Hauptzielgruppen zugeschnitten. Insbesondere für Mitglieder der Justiz (nicht nur Richter) und andere Rechtsberufe bietet das Zentrum kundenspezifische, praxisorientierte Fortbildungsprogramme sowie Beratung und Coaching an. Ziel ist es, nicht nur Wissen, sondern auch Praxiskenntnisse und bewährte Verfahren zu vermitteln und darüber hinaus den Aufbau von grenzübergreifendem Vertrauen zu fördern.

Kontaktinformationen

EIPA Luxembourg – European Centre for Judges and Lawyers

2, circuit de la Foire Internationale, 1347 Luxemburg, LUXEMBURG

E-Mail: info-lux@eipa.eu

Zahl der Mitarbeiter: 15

Rechtsstellung: gemeinnützige Stiftung

Link zum Thema

Website des EIPA

Letzte Aktualisierung: 24/01/2019

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